BLöGG Party

Platten in der Form von früher besprochen. Als es noch sowas wie Alben gab. Und natürlich wird die Chronologie insofern eingehalten, als ich mit der ersten, vom eigenen Geld gekauften (Langspiel-)Platte anfange.

2. Roxette – „Joyride“ (1991)

„Come on join the joyride, get your tickets here!“ – Das war einer der Gründe, sich langsam davon zu verabschieden, den Klang rein phonetisch aufzunehmen und dem Gehörten möglichst ähnlich wiederzugeben. Mithin also Geheimnis für gesteigertes Interesse am Englischen seinerzeit. Das hatte schon bei Jason Donovan nicht so recht funktonieren wollen …

Roxette also. Hatten ja bereits mit „The Look“ reichlich vorgelegt, nachdem Per Gessle festgestellt hatte, dass Schweden, nicht nur im Sommer zu klein für ihn geworden war, schoss seine Vorband doch im Vorbeigehen und auf dem Weg zum Ruhm eben mal den Titel „Bester Schwedischer Sommerhit Aller Zeiten“ ab. Man kann sich an beiden Elchgeweihknochenstangen ausrechnen, dass das im wahren Mutterland des Pop nicht eben einfach sein dürfte, nach ABBA zumal. „The Look“ jedenfalls bahnte via US Top 1 jedenfalls einen Weg, den zwar Richard Gere im Font einer Stretchlimousine abfuhr, Roxette aber genossen.

„Joyride“ setzte den Weg auf der Pop/Rock-Straße fort. Es mag diesen Begriff schon lange zuvor gegeben haben, doch Roxette haben ihn musikalisch definiert, behaupte ich einfach. Die verschubladisierten Glamrocker wurden ja in Sachen Glam und Rock auch von anderen mit Blinker links und hupen überholt, nebenbei.

Sicher, ein wenig spielt das Roxettesche Oeuvre mit dem Gewerkschaftsrock eines, naja, des Hitparaden-Heinz Rudolf Kunze, Klaus Lages oder später Matthias Reim, doch zweifelsfrei zog Gessle noch die von Europe angezogene IGM-Schraube fest. Hier und da tröten Mundharmoniken, ein paar (Power)Balladen radioparadisiorieren einen undezent voll, doch ein solides Riff hängt spätestens jedem dritten Titel dieser Platte Goldmedaillenlike um den Hals. Riffe zumal, die auch rund zwanzig Jahre später noch manch einer gern auf seiner Habenseite hätte. „Fading Like A Flower“ versucht mit ‚irgendwo dazwischen‘ das Eine und Andere zu verbinden und scheitert natürlich wie wie viele zuvor, das aber grandios. Immerhin.

Dann plätschern natürlich ein paar Albumtracks dahin und man fragt sich schon, wozu. Ziemlich sicher erzielen irgendwelche obskuren Pressungen weder Höchstpreise, so es sie überhaupt gibt. Noch tun sie das (oder eben nicht) aus Gründen musikalischer Großartigkeit. Zwei Singles schummeln sich dazwischen, doch dann und auch dawzischen passieren wieder Dinge.

Man kann Angst vor Frau Fredriksson bekommen („Soul Deep“) und bekommt anschließend das großartigste Roxette Stück aller Zeiten auf die Ohren. Kraftwerk meets Schwedenpop meets formidabler Einstieg. Zwischenzeitlich sing-a-longt alles immer mal wieder. Zurecht. Und dann tropft das Werk noch etwas ab und wirklich bleibt was.

Gute zwanzig Jahre später, von denen viele Roxette-unbehört blieben, attestiere ich mir einen durchaus vernünftigen Geschmack. Sie ist noch nicht ganz trocken.

Übrigens ist Per Gessle eigentlich Punk und somit gutfindbar – galore. „Boyfriend“, „Sheena Is A Punk Rocker“und „Gimme Gimme Shock Treatment“ gibt’s auch noch.

[ (.) ]

1. Ice Cube – „AmeriKKKa’s Most Wanted“ (1990)

Es müsste Winter gewesen sein, ich wähne mich jedenfalls in einer zu goßen Jacke der Orlando Magic erinnerlich und war natürlich auf der Suche. Zum einen nach der korrektesten Preis-Leistungs-Platte natürlich, zum anderen danach, was sich gut eignen könnte, die elterliche und lehrerische Generation massiv und nachhaltig zu schocken. Und natürlich wurde ich fündig. 26,99 DM für 16 Tracks schien mir angemessen, in den sicherlich ein paar Jahre andauernden Konflikt zu investieren. (Trotz dieser Preise übrigens, dampfte WOM zur reinen Internetseite zusammen.)

Der Heimweg dürfte ereignisarm, wohl aber erwartungsvoll gewesen sein. Mündete jedenfalls in Grandioses und erfüllte also alle Erwartungen. Knapp 50 gelistete und bestimmt noch ein paar mehr Samples verdichteten sich hier zu einem wirklich wert es Album zu nennenden ganz großen Wurf. Das Solodebut von Ice Cube überrannte seinerzeit sogar das nicht minder immernoch großartige „Fear Of A Black Planet“ von Public Enemy, die hier, quasi als Gipfeltreffen in Form von Chuck D. und Flavor Flav jeweils gefeatured werden. Ich habe Ice Cubes derartige Großartigkeit nur noch einmal in „Wicked“ aufblitzen sehen hören, ansonsten blieb er auf sehr hohem Niveau wohl aber doch hinter den Erwartungen, die zunächst N.W.A. und dann dieses Debut hingeworfen hatten.

Ein etwa einminütiges Intro, das den Gang des Cube zum Schafott, hier elektrischen Stuhl akustisiert. Gangstrapscheiße in seiner theatralischsten Form, sind doch, natürlich, die letzten Worte: Fuck all ya. Und dann stampft er los, der „Nigga Ya Love To Hate“. Aus angeblich nur vier Samples, einem Beat und dramaturgisch wichtig zu nennenden Breaks würfelt er mitsamt der Bomb Squad feinen West Coast Gangsta Rap hin.

Klar, in der ernsthaften, damals lediglich noch nicht den Gipfel der Freundeskreisianisierung erreicht habenen deutschen Hip-Hop, seinerzeit sagte man noch RapSzene eher verpönt und wenn schon, ging vielleicht noch B.D.P. und später KRS-One klar. Political correctness aber hatte hierzulande noch keinen Namen, Rumgepose mit Knarre und inflationärer Gebrauch von „Bitch“ und „Nigga“ ging trotzdem und schon damals natürlich gar nicht. Dass die Texte und somit die Intention schwer zu verstehen war mag daran schuld gewesen sein. Die Amis und ihre Show taten ihr übriges. Ice Cube war dabei hochgradig politisch, mit – sicher! – einer Überdosis Machsimo, doch kam ebenso mit einigem Spaß daher und das wurde seinerzeit vielleicht von den deutschen, weißen Mittelschichtkids sicher eher erfühlt denn erkannt. Der Spaß wurde erst etwas später von einigen Hamburgern in den deutschen Rap getragen.

Abwechslungsreich und weit weniger Single-lastig als man annehmen könnte, brannte sich dieses Album in nur rund 50 Minuten nachhaltig ein. Dabei reicht die Spanne von entspanntem, angefunktem Kiffer-Rap über eigenartige Zwischenstücke bis zu, schon erwähnten derbe polternden Politstücken. Die wie gesagt reichlichen Samples dienen hier jedoch selten der Akzentuierung, sondern bauen auf dem Grundgerüst Beat noch ganze Stücke auf, die man beinah Songs nennen könnte und davon nur Abstand nimmt, weil man dann ihre Schöpfer Songwriter betiteln müsste. Und das erscheint dann doch an der AK-47 herbeigezogen.

Wer mit mindestens einem offenen Ohr durch die Gegend läuft, wird an „AmeriKKKa’s Most Wanted“ erkennen, warum das schmale Zeitfenster von der zweiten Hälfte der 1980er bis Ende der ersten Hälfte des folgenden Jahrzehnts als „Goldene Ära“ des Raps angesehen wird. Dass der deutsche, nun Hip-Hop das wirklich schlechteste und albernste aus dieser Zeit klauen musste und sich deutscher (Gangsta-)Rap in den letzten Jahren fast ausschließlich über die jämmerlichen und von Rappen schlicht keine Ahnung habenden Aggro-Berlin Gurkentruppe definieren lassen muss ist dabei ebenso schade, wie der Umstand, dass sich der amerikanische Rap meistenteils in furchtbaren R&B Flachgewässern einen einzigartigen Bauchklatscher leistete und damit seinerseits ebenfalls zurecht eher ignoriert werden kann. Kein Wunder, dass ich mich nach der o.g. Goldenen Ära für andere musikalische Seiten zu interessieren begann. Davon ein nächstes Mal.

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