S & Hm?

Der Seriösität Auge in Auge stellte ich mich jüngst, da ich mit Jahresbeginn zum Inhaber einer Monatskarte des Verkehrsverbundes Berlin-Brandenburg wurde. Nehmen wir die Debatten um die Preise einmal beiseite, so kann man dennoch sagen, dass es sich so befahrschienen ganz in Ordnung so ring und rum und kreuz und quer fährt. ÖPNV und ich, wir beide verrichten unsere gemeinsame Zeit eher wortkarg und Verkehrsmittel störe ich nicht mit unqualifizierten Kommentaren, ihrerseits lassen mich S-, U-, Straßenbahn und Bus weitgehend in Ruhe.

Nun, die Weichen in die Zukunft sind gestellt. Die S-Bahn, mangels Zugeinheiten wiewohl aufgrund DB-Tochtergesellschaftigkeit fährt nur woanders lang. Und so kippten keine Dancesternchen die fahrende Currywurst in Hip-Dip, sondern es trug sich zu, dass ein nicht eben schlecht gelaunter S-Bahn-Chauffeur im donnerstäglichen Spätmorgenberufsverkehr seine Munterkeit in Ansage ummünzte. Nach Fahrausweisbeisichodernichttragenkontrolle keine nur schlechtfindbare Idee, weniger jedenfalls als besagtes Hupfgedohle. Man muss eine durch Benutzung der, wenig gewundenen allerdings, Sprachspirale von Bedeutungsschwangerschaft verschonte, launige Ansage und mit ihr den Ansagenden jedenfalls nicht der Abtreibungsklinik fahrgastindividuellen Hasses zuführen. Frau Laune ist wenigstens zu den Berufsverkehren nicht gern Fahrgast wenn sie mit Vornamen Gute heißt.

Also durchtrötete der S-Bahn-Führer gebremst überschwänglich in den dem also Unterschwang angemessen unterschleunigten Zug, dass das Wetter diesem Tag Regenschirmfreiheitgarantien ausstellen könne, man eventuell noch auf der Suche nach so etwas wie Laune befindliche Vorgesetzte milde lächeln möge und dergleichen Trötunwürdigem, Kalendersprüchen wohnt wenigstens der Spruchcharakter inne. Entertainer gehören nicht in Fahrerpulte und umgekehrt. Allein, Berliner Busfahrer sind für manch Witzchen an Kodderschnauzensorbet gut, dafür nicht ausnahmslos beliebt allerdings ebenfalls. Wir hatten es mit dem Basser der S-Bahn-Fahrer-Rockband zu tun und sahen uns fragend an, ‚Rampensäue klingen anders‘ lieferten wir die Antwort gleich mit.

Zum Fahrtziel Zukunft und dem Vorherabbiegen des Berliner ÖPNV: Die englischsprachigen Ansagen für internationale Gäste der Stadt beschränken sich auf Verkehrsmittel in Richtung der – noch sind es zwei – Flughäfen. Das kann man, wenn man kann, so verstehen, dass besagte ausländischsprachige Berlinbesucher bitte wieder den Weg zum Flughafen einschlagen mögen. Willkommen wurden sie in den Nahverkehrszügen nicht geheißen und da sie grad erst ankamen, wäre durchaus ein kleiner Wegweiser angebracht gewesen. In einer Stadt in der tradtionell oft und gern angekommen wird, sollte Willkommenheißen Strom und Motor aller Verkehrsmittel in die Innenstadt sein. Zumal wenn der Flughafen, bedenkt man das mal, in Brandenburg liegt. In der Muttergesellschaft Zügen sind die Englisch am nächsten kommenden Durchgesächsel zwar wesentlich kürzer als die dem Deutschen näher kommenden, doch etwa gleichermaßen regelmäßig und auf Hin- und Rückreise nicht abstellbar, begrüßt zugestiegene Fahrgäste einigermaßen konsequent. Doch dass Töchter von ihren Müttern lernen ist zwar zumeist der Fall, nicht aber ehernes Gesetz.

Diese wenigen Versuche zu lernen endeten regelmäßig up in tears. Ess- und Trinkwarenwagen wurden von Servicekräften umhergeschoben, denen man zunächst mal das ‚Kraft‘ in Servicekraft nicht so recht abnehmen wollte, die weiterhin in Fahrgästen Zweifel auslösten, ob die schiebend Leidenden eher wegen vermeindlicher Wärme in S-Bahn-Waggons streunten, da die Sonnenseite für sie ausgebucht schien. Schließlich noch bockwurstmitsenften sie das ohnehin schwer nur anbietbare Zeug auf ihren Wägen an, das schon die Legenden der Marktschreierzunft schwer gehabt hätten feilzubieten und was doch also kredenzt hätte werden müssen wie gülden strahlender Funktionsplastiktrash zu überhöhten Preisen. Man kann lange noch nach diesem „Servicewagen wagen“-Scheitern Ähnlichkeiten zwischen den genannten und sowohl Kontrolleur- als auch Obdachlosenzeitungsverkäufergenuschel schwer von der Hand weisen.

Ratsam ist sicher nicht, Sekundärangebote feilhalten zu wollen, wenn das Primärangebot noch anbietbar gemacht werden muss. ‚Schuster bleib bei Deinen Gleisen‘ volksmundet es da. Viel dem entgegenzubürgermunden gibt es da nicht.

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