Funktionsklingelbeutel

Mein Kichern über Nordwolfshäutigbegesichtigte Mit- und Aufderstraßerumläufer tut es a- bis c-prominenten Flüssen gleich und flutet also eher, denn es abebbt. Aus mehrerlei Gründen lehne ich das Bemalen meiner Lederjacke eigentlich ab, aber der Gedanke an ein verballhornendes Logo etwa auf Höhe des rechten Schulterblattes potenziert mein Kichern. Jedenfalls haben TagesspiegLE und auch ein wenig die Zeit mein knurriges Kichern offenbar aufgeschnappt und diesen Winter sollte das jämmerlich abenteuerbefreite Lächerlichkeitsschaulaufen endlich die Ankunft im Zenit feiern – ich feiere dann vielleicht sogar mit. Und dann wären wir mit der Wäscheanalogie zu 90er Eurodancetrash hoffentlich durch.

Doch natürlich seien hier noch ein paar verabschiedene Wörtchen ins Outdoor getippt, ich klebe eine soyabebutterte Bagelhälfte auf die linken und damit noch freien Schulterblattregionen der Outdoorjackenschaft. Jobben in sportlerischerem Umfeld rief mir nämlich noch ins Ohr, dass ja besagte Jacken für den Outdoorbereich – was nahezu allumfassend auch in diesem Jahr, sowohl funktionell als auch praktisch genau alles vor des Lesenden und Schreibenden Wohnungstür meint – neben beispielsweise vor dem meisten erstmal teurer Sportunterwäsche, nach teuer ja vor dem Rest, dann also allem Funktions(unter)wäsche ist. Funktion. F.u.n.k.t.i.o.n. Hier kommt der Bagel ins Spiel und mit ihm eine unfair große Anzahl anderer kaufbarer Artikel: Sie eint, Funktionswasauchimmer zu sein, denn zuallermeist sind es zwei Funktionen, die den Dingen innewohnen. Sie machen, was sie sollen und füllen den Funktionsklingelbeutel. Dieser Funktionsklingelbeutel wäre dann das klingelbeutelgewordene Mantra des Konsums, ein perpetuum mobile des Marktes. Das Funktionshuhn des iColumbus.

Das Wiederholen des Geschriebenen ist weder Rache noch in irgendeiner Funktion, pardon, Form negativ gemeint. Funktion 1 eines jeden Kleidungsstückes, Jacke wie Hose, ob Jacke oder Hose, Strumpf oder Eingriffschlüpfer, ist, dem damit verpackten Körperteil, im raffinierten Zusammenspiel vielleicht mit anderen Kleidungsstücken, Wärme zu spenden. Das mag der eine Anorak besser können, als der andere, doch in gewissen Graden und gewissem Grad also tun das beide, einer UND anderer. Sie sind also schonmal mit dem Präfix ‚Funktion‘ zu ehren. Sprachkritik mal, dem Zusammenhang entsprechend außen vor, doch Plural von ‚Funktion‘ wäre nun korrekt ‚Funktionen‘. Ich schiebe es auf die Anglizierung, dass fälschlich mit Suffix -s pluralisiert wird. Auch draußen ist alles anglizierte viel verlockender: Draußen ist Outdoor, Gesichter sind Wolfskin, oder so. Jedenfalls kommt also die zweite Funktion zu in diesem Beispiel eben Anorak: Konto des Produzenten füllen. Auch das können beide Jacken besser und weniger gut, aber sie können es. Also FunktionS (= Plural) wäsche.

Ein Bagel ist eine Schrippe mit Loch und damit prädestiniert für den Vergleich mit der o.g. Jacke. Funktion 1 ist sättigen, Funktion 2 des Produzenten Konto befüllen. Aber des Bagels Mehrwert ist in seiner Mitte zu suchen und damit eigentlich nicht zu finden. Nichts spendiert Mehrwert, nichts spendiert mehr Wert. Jeder halbwegs mit einigen Rechen – (ha!) – funktionen ausgestattete, also schonmal Funktionmensch weiß, dass etwas verkauftes, das im Einkauf nichts kostete, des maximalsten aller Gewinne einspielt. Und da des Bagels Mitte ein Loch, ein Nichts also bewohnt … übrigens könnte man diesen Umstand weiter hinundherverbildlichen. In der Mitte ein Nichts. Herzlos dieser Bagel irgendwie und damit klar Schrippe gewordenes Abbild des auf maximalste Gewinne konzentrierten Produzenten.

Beide, Bagel und Jacke sind schließlich in Pappkaffeebecherausschankstuben gern und häufig anzutreffen und also in bester Gesellschaft. Bis hin zur Maßlosigkeit überteuerte, teils sogar semi-Produkte nur, ausgezeichnet mit ausgiebig beschriebenen Funktions, ziehen also den Menschen das Funktionsgeld aus der Funktionstasche. Dass sich die Industrie und der Handel natürlich nicht ewig auf dem einen Begriff ‚Funktion‘ ausruhen können – geschenkt. Umsonst und draußen also. Die Funktions werden verschleiert.

Übrigens leitet sich der Name Bagel von Bejgel ab, einem Wort, das Steigbügel z.B. beschreibt und durchaus also auch Abenteuer suggeriert. Der Kauf der vielen abenteuerlichen Dinge ist eben Abenteuer genug. Weg, Ziel und so. Man kann eben alles als Lockruf der Berge oder des Waldes lesen, wenn man denn will. Auch der Run (!) auf Smartphones, die ja auch als Navigationsgerät genutzt werden könnten und es von vielen Zugezogenen ja auch werden. Dazu ein SUV und das Abenteuer könnte beginnen. Macht es aber nicht, bis nicht noch vielerlei Dinge Funktionen als Funktions verkaufsfördernd herausgestellt werden.

Was schonmal gar nicht geht: Regenschirm. Es muss Funktionsregenschirm heißen und irgendwas um die 80,- bis 200,- Euro kosten. Der bestausgestatteste Abenteurer kann eben dieses Abenteuer nicht erleben, wenn der den Funktionskragen hochhalten muss. Das fragile Gerüst könnte man aus Titanium anbieten, gegen noch ein wenig Aufpreis auch eine Außenhaut aus Kevlar. Sicher müsste dann auch ein Carbongriff oder wenigstens etwas, das danach aussieht teil der Ausstattung sein.

Beim Warten darauf, dass sich diese Marktlücke schließt, böte sich der Funktionskaffeebecher, formerly known as Pappkaffeebecher an. Freilich werden bereits Thermosbecher angeboten, aber es wird ja nicht nach dem Becher für das Abenteuer gesucht, sondern nur nach dem Becher für das Draufwarten. Er muss also immernoch wegwerfbar sein.

Abschließend ein Tipp an die Deutsche Bahn: Euer Krisenmanagement sollte fortan von den windigen, also bestens auf Draußen getrimmten PR-Leuten irgendeines der Unternehmen im Branchenverband European Outdoor Group – selbstverständlich gibt es sowas – geleitet werden. Einfrieren oder Verbrennungen im ICE, hochgradig uneinschätzbarer Bahnverkehr: Als Abenteuer verkauft ließe sich derlei im Preis nach oben korrigieren. Auf den Berg also gewissermaßen.

Ich habe so viele Schlüsse hier verschleudert, deshalb, abenteuerlustig wie ich nunmal sein könnte, einfach mal so ohne (Schluss) (schluss).

Ein Kommentar

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Eine Antwort zu “Funktionsklingelbeutel

  1. BLöGGmaster

    Dieser Text:

    Ihr Text: 6288 Zeichen, 895 Wörter
    Bullshit-Index :0.27

    „Ihr Text zeigt erste Hinweise auf ‚Bullshit‘-Deutsch, liegt aber noch auf akzeptablem Niveau.“

    http://www.blablameter.de/

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