Es könnte nichts regaler sein.

Dieser Beitrag ist natürlich nicht für Jugendliche geeignet, die sich ab hier bitte Verpixelung vorstellen.

Ich halte mich mit politischen Kommentaren eher einigermaßen zurück – glaube ich, hoffe ich. Jedenfalls ist Anlass, dass Wikileaks gerade abertausende Depeschen von US-Diplomaten veröffentlicht und unter anderem mit Cem Özdemir ein sogenannter führender Politiker einen irgendwie verharmlosenwollenabernichtkönnenden Blödsinn dazu verfasst hat – 820 Wörter ohne Erkenntnisse, dachte ich mir, kann ich auch.

Also geht es mir weniger um die politischen Hintergründe. Naja, wobei.

Schon als der Bundespräsident noch Richard von Weizsäcker hieß und so oder so gar nicht ‚unser‘ sein konnte, habe ich mich gefragt, ob dermaßen vollgebücherte Regale zum einen erstrebenswert, zum anderen ob der hoffentlichen Qualität denn auch bezahlbar sind. Eine mindere Qualität würde jedoch zumindest Erklärung darüber abgeben, warum man sich, ich mir, Politkerbefragungszimmer in Politkerbehausungen eher im Erdgeschoss bis Hochparterre von Einfamilienhäusern im Bonn der ausgehenden 80er, eben damals vorstellte: Wer wollte denn schon unter, sagen wir, Norbert Blüm wohnen, wenn dauernd dem seine Regale zusammenkrachen?

Diffus geisterten derartige Gedanken rum, wenn sich die Familie zum einen oder anderen gemeinschaftlichen Fernsehabend einfand und während des Einfindungsprozesses noch ‚Heute‘ oder die ‚Tagesschau‘ lief. In einen Schluss wollten sie noch nicht führen.

Doch der steht oder liegt ja nicht zwischen all den Büchern im Regal und ist im Grunde unauffindbar. Nein, der liegt – buchsträflich – auf der Hand, also einer auf der linken, einer auf der rechten. Wenn sich nämlich Politiker vor solch einem Büchermonstrum sitzend zu den aktuellen Achs und Ohwehs befragen lassen, dann kann das nur zweierlei heißen: Entweder haben sie kaum eines der Bücher jemals gelesen oder nur angeguckt*, denn sonst hätten sie nicht annähernd Zeit gefunden, eine in TV-Befragungswerten messbare Politikerkarriere einzuschlagen.

Oder aber sie wissen zu aktuellen Ohs und Herrjeminehs gar nichts zu sagen, da der Inhalt der Bücher zumeist über eine gewisse Zeit zusammengeschrieben, dann gedruckt und zwischen Buchdeckel gepresst werden, gekauft und spätestens gelesen werden musste. Zwischenzeitlich sind die Achs und so weiter eine Großfamilie und haben schon Kinder. Der Leser kennt also das Buch, nicht aber die Ach-Auweihs, die nun auch noch geheiratet hatten – vor ein paar Wochen erst – und nun teilweise auch in der Nachbarschaft wohnen.

*Natürlich kann man die tatsächlich inhaltsleeren, nicht nur so genannten Bücher, also Bücherrücken aus dem z.B. schwedischen Möbelhaus mitgehen lassen. Aber der bücherberückte Senfabgeber wäre ja nur noch vertrauensunwürdiger. Sein Senf womöglich Majo oder Ketchup.

Und schließlich darf, ach, MUSS man sich fragen, was der expertisierende Mensch da inmitten verstaubter Schmöker macht – hoffentlich nicht staubwedeln! – wenn es gerade genug kriselt, dass Nachrichtenredaktionen Mitarbeiter aussenden, um die Meinungen der mit Lösungsfindung hoffentlich beschäftigten Demokratisch-Legitimierten einzuholen. (Hier übr. liest sich ganz gut, dass man nicht benorthface-t Kühlschrankfüllungen einholt, sondern Meinungen, Rat, geistigen Mehrwert; aber das nur am Rande.)

Und warum sind diese Regale nie leer? Folgt man der Angeberlogik, müssten doch ständig neue Regale aufgebaut werden, weil in den alten kein Platz mehr für noch mehr Bücher ist. Irgendwann reichen die Gästezimmer nicht mehr aus und dann stehen die Regale im Schlafzimmer oder der Küche und der Protzende hat nicht nur dem Wähler Wahlmöglichkeiten geschaffen. Je nach Thematik besenft man eher in der Küche oder schlaumeiert im Lesezimmer.

Und selbst wenn wir von einem eher vertrauenswürdigem in Mikrofonumpuschelungen nuschelnden damals noch Politiker mit Parteinamen in Klammern, heute Experten ausgehen: Zieht der nie um? Oder sowas?

Sind nun also Politiker die sich vor irgendwelchen raschelnden Büschen, verkehrsbefreiten Straßen oder bewindeten Bundeszentralen im Vorbeigehen und manchmal auch -stehen befragen lassen die zu bevorzugenden? Natürlich nicht. Wissen wir denn, ob sie überhaupt lesen können? Zumal also o.g. 251,287 teilweise ganz und gar nicht diplomatischen Botschaftsbotschaften?

Das sicher lobenswerte Lesen von vielen vielen Büchern und Aberansonstenkeineahnunghaben zeigt die Misere, in der sich ein Gros der Politkerpersonen befindet, zum einen. Zum anderen lässt dieses mich hier einfach mal so das mit einer anderen Erkenntnis in Zusammenhang bringen, weil zum weiteren einen noch keine 820 Wörter erreicht wären, zum noch anderen sich ein ähnliches Phänomen seit ein paar Jahren in meinen Jobs aufzeigt:

Oben genannte Politker reden derzeit gern, teils auch vor Bücherregalen von Fachkräftemangel. Das kann ich ganz beruhigt vom Lande weisen. Beinah wöchentlich erlebe ich seit vielen Jahren Anfang-20-jährige, die mindestens zwei Studiengänge abgeschlossen und dennoch ausreichend Zeit für ihre jeweiligen Hobbies haben. Eine nicht seltene Kombination sind Ingenieur und Jurist, seltener zwar, doch ganz und gar nicht sammelwürdig ist die Textilienentwickler und wieder Jurist-Verbindung. Überhaupt ist der Juristerei defintiv kein Nachwuchsmangel oder eine einbrechende Auftragslage zu bescheinigen. Sehen wir mal vom nicht nur musikalischen Abge(h)mahne ab, drohen auffallend mehr Geschäftspartner nicht mehr nur mit einem Anwalt, sofern sie nicht selbst also Jurist – und Ingenieur, Textilienentwickler, Logistikexperten o.a. – sind natürlich.

Und sind auch Heranwachsende, die hochgradig und vielfältig qualifiziert sind a) und b) über ausreichende Mittel verfügen, gern und regelmäßig Anwaltskolonnen im Stand-By zu halten nicht Zeichen genug, dass es der Bundesrepublik Deutschland nicht sowohl in Sachen Qualifizierung als auch Wohlstand der Jugend, des Nachwuchses also hervorragend gehen muss? Vor allem wenn diese hervorragend ausgebildete Jugend noch genügend Zeit findet, ihren Hobbies in Teilen semi-professionell, wenn man der Sein-Licht-unter-den-Scheffel-Stellerei mal Glauben schenkt nachzugehen? Lieber Cem, 825 Wörter! Oder so. Zählen muss ich ja nicht auch noch können.

Hier endet die Verpixelung, liebe Jugendlichen.

Ein Kommentar

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Eine Antwort zu “Es könnte nichts regaler sein.

  1. Dieser Text:

    6439 Zeichen, 913 Wörter
    Bullshit-Index :0.21

    „Ihr Text zeigt erste Hinweise auf ‚Bullshit‘-Deutsch, liegt aber noch auf akzeptablem Niveau.“

    http://www.blablameter.de

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