Hairy Metal – I Wanna Be Somebody

Hairy Metal wuchs im Rock der späten 60er heran und war gerade Teenager, als Disco alles in Grund und Boden stampfte. Ganz klar prägte ein Barry Gibb mit knallengen Jeans und Falsetto und beeindruckender Fönmähne was da kommen sollte. Dass der genannte lediglich für geschätzt 800 Zähne pro Kiefer und die Durchhalteparole der auch heute noch nicht selten spiegelbödigen Tanzetablissements berühmt wurde und blieb kommt ja nicht von ungefähr, versuchen doch Heranwachsende aller Jahrhunderte möglichst weit ihren Wurzeln zu entwachsen – und werfen ihre Triebe doch nur eine Ecke weiter.

Man hätte Barry in West Hollywood ein Denkmal aufstellen müssen. So aber dürfen die beiden verbleibenden Brüder regelmäßig Oliver Geißens Hand schütteln und jährlich so oft „Staying Alive“ zum Besten geben, wie Barry Zähne hatte. „Täglich grüßt das Murmeltier“ in Pop.

Gitarren wurden dann aber zunächst einmal umgeschnallt und nach nur wenigen Blicken in den Spiegel tief genug gehängt, um eventuellen Vergleichen mit dem Gibb’schen Geschlechtsmerkmal zu entfliehen. Die Parallelen blieben doch immer offenbar, schaute man nur lange genug hin. „I’m a woman’s man, no time to talk“ (The Bee Gees „Staying Alive“) hier, „Cause I’m hot, young, running free“ (Mötley Crüe „Live Wire“) da. Wo allerdings die Bee Gees ‚alive‘ zu bleiben gedachten, zogen die zukünftigen Helden ins Feld, möglichst schnell das Gegenteil zu erreichen. Jedes Mittel war da recht. Nur genützt hat das am Ende nichts. „Razzle“ Dingley hätte genausogut am 7. Loch herzversagend nach zwei Schlägen sterben können – Vince Neil wäre auch dort dabei gewesen.

Doch nie zuvor war der Rock dem Rock so und mit jovialem Klaps an die Hände gegeben worden. Zwar waren Groupies schon längst Legende – und länger bekannt als der Rock selbst womöglich – und relativ bald schon und mit also rasch zu übertretender Erfolgsgrenze Teil des Biz, wenn nicht überhaupt Gründungsgrund für nicht wenige Bands. Doch dass sich Mädchen, Frauen für allzu maskuline Musik und deren, zugegeben, nicht ganz so männliche Schöpfer interessierten war neu. Mögen Beatle’sche Fankreischereien den Grundstein gelegt haben, doch deren Bankkaufmännigkeit und der vermeintlichen Erzfeinde, Stones, dagegen tatsächlich wilde Ruppigkeit fußten nicht annähernd auf dem Fundament des Rock. Wenn wir Mötley Crüe oder Guns N‘ Roses als das Pentagon des Rock seiner Zeit nehmen, als das unkaputtbarste Haus der Welt also, waren die Beatles ein Pastell gestrichener Suburb-Bungalow mit Hecke in Tierform, die Stones eine Hochparterrewohnung am Rande der Innenstadt mit Blick auf den Park, in dem, okay, nach Sonnenuntergang Gras vertickt wurde und hinter dem die Müllabfuhr zu finden ist.

Sicher, wie oben erwähnt, hielten die Protagonisten rein äußerlich zunächst nicht das Versprechen der Männlichkeit, das sie breitbeinigst auf Plattencovern gaben. Deutet man jedoch das knapp bis unter die Stratosphäre toupierte Vogelnest, also eher schon Alien-Nest eines Nikki Sixx in reiner Evolutionspsychologie als simples Balzverhalten, lässt sich ein Hahnenkamm ausmachen, der am Platze und den Plätzen in der noch busfahrig erreichbaren Nähe schlicht den (großgeschrieben) Stecher ausweist. Dass sich der Gockel dabei reichlich am bis dahin vermeintlich den Hühnern vorbehaltenen Schminkschrank bedient, muss denn auch Erfolgsgeheimnis gewesen sein. Die Musik war es ja nur bedingt. Um ganz sicher zu gehen bekamen im Falle Mötley Crüe selbst einige Vokale im Bandnamen noch die Hahnenkämme aufgesetzt.

Keines der Vogel-, pardon, Alien-Nester hielt ohne das ohnehin obligate Kopftuch. Nicht wenige dieser Tücher dürften durch Hitzeeinwirkung der Bühnenscheinwerfer fest mit seinem Träger verbunden worden sein und waren also wohl Grundstein für den Erfolg von Heißklebepistolen auf breiter Ebene. Die übrigen dienten dem Verbergen der dann doch nur allzu männlichen Geheimratsecken. Nur eine Randnotiz bleibt demnach, ob es sich so oder so bei Bret Michaels verhielt. Doch auch hier zeigt sich der dem Fortpflanzungswillen vorangestellte Imponierdrang: Seht her, ich hab das breitgefaltetste! (Dass das wiederum gebügelt und gestärkt gewesen sein muss – geschenkt!)

Am Ende des Tages fiel das toupierte und haarbesprayte Zeichen dieser Form von Männlichkeit in sich zusammen, wie das Genre an sich mit dem Ausklingen des Jahrzehnts. Andere junge Männer schickten sich an, mit dem Rock meets Rock zu brechen – in Holzfällerhemden! Eine andere Geschichte, die von der gleichen Männlichkeit erzählt und doch so anders endete.

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