The Nose Race

Zweite Januar-Hälfte, knapp minus 10°C, gefühlt natürlich ungleich kälter – Zeit für Empirik ausser Acht lassende Feldforschung.
Die Taschentuchindustrie erfreut sich einer diametral der Kälteentwicklung gegenüber stehenden Umsatzentwicklung, oberlippenbebärtete Menschen, Männer meist, werden von Eiszapfen heimgesucht und beginnen an Rasuren zu denken und die Gesetze der Physik werden ausgehebelt. Man müsste annehmen, Muzine unterliegen ebenso der Thermodynamik wie diese spiraltelefonschnurartig gedrehte Schlüsselanhängerkette, die in den frühesten 1990ern meine Gürtelschlaufen mit den Schlüsseln verband und entgegen damaligen Schönheitsidealen in saftigem Flaschengün erstrahlte; eine weitere Vorahnung meiner Farbschrullen, nebenbei.
Aber Muzine, nasale insbesondere, unterliegen eben nicht der Wärmelehre. Frühlings, sommers und herbstens bleibt Nasensekret hübsch da, wo es hingehört. Erfüllt die ihm zugedachten Aufgaben unauffällig und verlässlich – es bietet keine Angriffsfläche und keinen Grund mithin, in diesem Zusammenhang an physikalische Grundlagen zu denken.
Doch im Winter zeigt der Rotz seine wahre Rotzigkeit und verdunkelt, was mir mit Verschleiß von vier Physiklehrern einhergehend eingebrannt wurde: dass nämlich Stoffe verschiedenen Temperaturen ausgesetzt, verschiedene Aggregatzustände annehmen, und insbesondere etwas flüssiger wird, wenn Wärme ins Spiel kommt und umgekehrt etwas fester wird, wenn Kälte des Spiels Leitung übernimmt.
Schnodder ist das popelegal. Je kälter es wird, desto fröhlicher rinnt er. Erreicht mühelos die Nähe eines anderen physikalischen Teilgebietes, der Quantenhydrodynamik, genauer der Suprafluidität. Während ich mich über Outdoor Wear-Träger arrogant amüsierend ärgere, büße ich unmerklich meinerseits den Respekt anderer Menschen ein, da glänzend durchsichtige Stürzbäche das Philtrum zieren. Meine Nase-Mund-Partie verwandelt sich in die eines Prä-Teenagers und, zwar wärmende aber wenig ansehnliche, ja, ziemlich dusselig aussehen machende Kopfbedeckung unterstreicht mein Als-Blödi-Erscheinen garstig rot gekringelt, wie die automatische Rechtschreiberkennung diverser Textverarbeitungsprogramme.
Man kann sagen, dass man erwachsen ist, wenn man Taschentücher mit sich führt, so es krankheits- , wetter- oder kindbedingt angezeigt ist. Nun, ich bin nicht erwachsen. Doch auch insoweit der Kindheit entwachsen, dass mich beschnodderte Jackenärmel mittlerweile schon eher stören. Ein Dilemma. Zumal bei bevorzugt durchgängig schwarzer Bejackung. Ein The North Face-Logo imitierend in den Ärmel schnäuzen ist keine Lösung, weiß der outdoorbewearte Kiezmitbewohner doch, dass der Marke Logo genau nie auf Ärmeln prangt – und ein schon eher nicht nennenswert eine Marke kopierendes Schnäuzen auf die rechte Schulter gestaltet sich schwierig, empfindet man schon Respektseinbußen, wenn wie oben erwähnt das Philtrum muzinvereist durch belebtere Gegenden getragen wird als sagen wir, auch hier in diesem Text, Grönland oder Mongolei.
Könnten Nasenklammern eine Lösung sein?

Nachtrag vom 15.03.2010:

Ich fordere keine wissenschaftlich nennenswerten Preise ein. Spiegel Online sah sich aber nach meinen bohrenden Fragen gezwungen, Wissenschaftler zum Thema zu befragen. Hier finden sich die Antworten.

Nachtrag vom 14.07.2010:

Ohne Worte: Spiegel Online

2 Kommentare

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2 Antworten zu “The Nose Race

  1. Fürwahr nicht doof,
    Werterster,

    aber da muss ich doch ein paar Anmerkungen machen.

    Meine Vermutung ist ja, dass sich die Umsätze diametral zur Wärmeentwicklung, nun ja, äh: entwickeln, aber vielleicht (über-) proportional zur Kälteentwicklung. Klug geschissen.

    Und was die Nasenstopfen angeht: Hast Du mal Deines Phantasie benutzt, dieses Szenario durchzuspielen. Gesetzt den Fall, die Naturgesetzte würden sich im speziellen Fall des Nasensekretes tatsächlich diametral zur sonstigen Physik verhalten, wie wäre es dann, wenn man mit Klammer in beheizte Räume einträte?

    Wahrscheinlich würde das Sekret anfangen, sich mit seiner Stauung anzufreunden und in einen Aggregatzustand mit geringerem Energiepotential übergehen. Auch die Anteile, welche noch nicht instant den Prozess der Anfreundung durchliefen. Was, to make a long story short, zu eiszapfenähnlichen Gebilden auch bei unbeschnauzerten führt.

    Da würde ich dann doch, um auch bei Permaadoleszenten entsprechende Bedachtheit auszulösen, lieber einen NorthFace oder Wölfskin-Stempel auf den Markt schmeissen, der, bestehend aus einem frostsicheren Material mit Catsan-Saugqualitäten, es einem erlaubt Materie gewordene Suprafluidität in hippe Gruppenzugehörigkeit zu verwandeln. Und dass auch an stellen, an die man für gewöhnlich nicht mit laufender Nase kommt.

    So, damit sollte die Phantasie genug angeregt worden sein.

    Ich mach jetzt Polynomdivision.

    FoxtrottAlphaLimaKiloOscar.

    • Tres bien, FoxyOscar,

      Wir beide werden endlich – war eh längst überfällig – die Physik abschaffen. Du mit Fachwissen und ich winke mit Taschentüchern. Fein, fein.

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