Schaffen vs Erschaffen

Gefühlt ist es der Winter, der jahrein jahraus prominente Tote bringt. Ganz bewußt wähle ich das Wort „prominent.“ Denn der Verfall der Bedeutung „prominent“ zu sein, zeigt uns die eigenene Vergänglichkeit. Ja: Sich mit dem Tod auseinandersetzen heißt immer, sich auch mit dem eigenen Tod zu befassen. Die wenigsten tun das bewußt. Jemand, der ein Werk erschaffen hat, dass der Nachwelt erhalten bleibt, hat geschafft, was vielen innerer Antrieb ist. Der Tod wird jedoch entmystifiziert, wenn wir erkennen: Es ist nicht jedem vergönnt, etwas Bleibendes zu erschaffen. Daher sollte es nicht der Antrieb sein, etwas zu kreieren, was für andere verbleibt. Die Maßgabe soll sein, sich auszudrücken, „nur“ zu kreieren. Ohne den Verbleib mit einzuplanen. Schön, wenn es bleibt; nicht weniger schön, wenn eigenes Wirken auf vielfältige Weise dazu führt, dass sich jemand erinnert. Und wenn es nur bis 4.30 ist und es einfach ein schöner Abend war, der mang der vielen anderen nicht sonderlich hervorsticht.

Steve Stranges Tod ist hier der Anlass für diesen Eintrag nach längerer Zeit. Steve Strange verbleibt in der Erinnerung vieler ein One Hit Wonder. Verfall inbegriffen. Erst sein Tod hat mich dazu gebracht, mich nochmals mit seinem Zeug zu befassen. Und ich hoffe, es geht anderen auch so. Er ist, im Leben gewesen, wie im Tod mit erweiterter Haltbarkeit seiend, das, was man tatsächlich als Gesamtkunstwerk verstehen darf. Erste Nachrufe beziehen sich also, logisch, nicht allein auf Musik. Zu seiner großen Zeit gab es nicht wenige seiner Art. Optisch aufzufallen war in den frühen 1980ern ganz sicher Teil des Werkes. Doch schon Elvis: Hätte er es zu etwas gebracht ohne Gold-Lamé und später die Las Vegas-Outfits? Punk wiederum ohne entsprechende Uniformierung? Doch muss jemand Freude darin finden, sich derart zu kostümieren. Und diese ist sicher nicht jedem gegeben. Denen ohne Freude am Kostüm sei daher gesagt, dass es nicht die Verpackung ist, die etwas Einzigartiges erschafft. Das Wesen dahinter ist es.

Ich persönlich glaube mittlerweile, dass die Midlife-Crisis Ausdruck dafür ist, sich genau nicht ausgedrückt zu haben. Es wurden vielleicht einige Sprossen der Karriereleiter erklettert, vielleicht einige auch nicht. Doch oft ist wahrscheinlich auch mit dem gewünschten Karrierestand und – siehe unten – mit Haus und Kind und vielleicht Baum die Krise da. Es sei ja eben ein Baum zu pflanzen, ein Haus zu bauen und ein Kind zu zeugen und vielleicht hat man das ja auch alles geschafft. Nur: Dem schließt sich seit langem der Imperativ an, dass auch ein Buch zu schreiben sei. Der Baum wie auch das Kind – wie natürlich auch das Buch – stehen für etwas, das bleiben kann; das nach dem eigenen Tod fortlebt – jedoch noch im Leben zu begutachten ist. Autoschulterklopfer.

Das Buch im besonderen ist jedoch, was den eigenen Ausdruck weiterträgt. Karriere, Haus und Kind eignen sich auch ganz hervorragend zur Ablenkung. Immer ist etwas oder jemand anderes im Spiel. Das Buch schreibt man jedoch für sich allein. Ob es ein Sachbuch, Kinderbuch oder ein Roman ist – einerlei. Gewissermaßen ist diese Aufforderung also so zu verstehen, dass es von Zeit zu Zeit angezeigt ist, allein zu sein. Und sicher ist es gar nicht verkehrt, das Gefühl der Einsamkeit zu kennen. Einsamkeit zeigt nämlich, wenn man bereit ist, das zu erkennen und sich einzugestehen freilich, wie wenig oder sehr man das eigene Glück mit anderen und oder anderem verknüpft. Je größer die Traurigkeit oder Unzufriedenheit oder gar Wut über die Einsamkeit ist, desto eher sollte man davon ausgehen, dass an der Selbstwertschraube gedreht werden muss. Einsamkeit kann jedoch auch die eigene Einzigartigkeit aufzeigen.

Und wenn es der Ausdruck der eben genannten Unzufriedenheit im Einsamsein ist – der kreative Umgang damit, am Ende: Die Kreativität an sich ist es bereits, die letztlich das Ich empor hebt. Und im besten Fall völlig unabhängig von äußeren Faktoren zu eigenem Glück führt.

Zurück zu Steve Strange. Auch wenn das „One Hit Wonder“ sicherlich negativ einfärbt ist, ist bereits mit dem einen Hit etwas Bleibendes entstanden, etwas, mit dem man sich in den Kopf und vielleicht auch das Herz anderer musiziert hat. Man, hier er, Steve Strange, hat etwas geschafft. Ein alljährlicher Scheck über eine sicherlich erkleckliche Summe an Tantiemen dürfte ihm das aufgezeigt haben. Dass jedoch allein das Verbleiben in anderer Menschen Köpfe und Herzen und in diesem Fall auch das damit verbundene Geld nicht glücklich macht, zeigen uns viele viele Gestalten im Biz™. Erst die Erkenntnis etwas ERschaffen zu haben, vermag einen Weg zu eigenem Glück aufzuzeigen. Wie das das nun bei Steve Strange gewesen sein mag, entzieht sich, klar, meiner Kenntnis. Doch als ziemlich konsequenter Optimist möchte ich glauben, dass er zumindest in den letzten Jahren, Freude am Erschaffen gefunden hat. Sein 2013er Album Hearts & Knives ist komplett spurlos an mir vorbeigegangen. Und ich habe erst gestern, nach der Nachricht von seinem Tod, festgestellt, dass es das gibt. Und dass es, verglichen mit vielen anderen Aufbäumungen ergrauender 80s-Heroen, ganz gut sogar ist. Man könnte hier unken, dass eben etwas Kapital aus der Vergangenheit der Antrieb war. Das würde ich jedoch eher ausschließen, denn wenn man sich zB das Video zu Dreamer I Know ansieht, sollte klar sein, dass hier kleine Brötchen gebacken werden mussten. Zudem erschien erst rund eineinhalb Jahre später das letzte Album mit orchestral aufgewärmten alten Hits. Und auch einigen neuen. Diese Platte, Orchestral, war, und ich denke, das wird nicht so geplant gewesen sein, ein guter Abschluss: Altes mit neuem verbunden. Für mich persönlich zeigt das eine gewisse Zufriedenheit auf. Zufriedenheit mit Geschafftem und Erschafftem, vereint als Tonträger.

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Brotstempel

Allein das Wissen darum, dass die störenden Aufkleber auf Broten „Brotstempel“ heißen, gilt für mich bereits als Inselwissen und ich bin geneigt, Brotstempler als „Inselbegabte“ abzustempeln. Es ist jetzt nicht so, dass ich wegen der nun also ‚Brotstempel‘ die Brote wegwerfen würde, aber sie stören mich, wenn sie auf dem Brote prangen. Den Löwenanteil des Brotstempels kann man ja abknubbeln, aber ich mochte nie der Beschmierer und Verzehrer der Stulle sein, an deren Rinde der unschöne Rest batscht. Und sollte tatsächlich eine Demonstration zum Schutze der ‚Brotbestempelung‘ angemeldet werden – ich würde eine Gegendemo anmelden. Mindestens bundesweit soll nie wieder ein Brot gestempelt werden, vom deutschen Bäcker darf nie wieder Brot verunziert werden. Dafür dürfen auch 5.000 Polizeikräfte aus allen Bundesländern herangezogen werden, gern auch mit Wasserwerfern und der Erfahrung aus verschiedenen innerstädtischen Konflikten um den zum Beispiel Tag der Arbeit herum oder die Chaostage in einzelnen Städten. Vermummte werden Brotstempel misbräuchlich an der Stadtmöblierung oder Fahrzeugen der zum Schutz u.a. der Stadtmöbel abgestellten Sicherheitskräfte anbringen und die Nachrichten werden schließlich davon berichten, dass es am Rande der Demonstrationen zu Ausschreitungen kam. Hunderten Demonstranten und dutzenden Polizisten mussten Brotstempel operativ entfernt werden. Rettungskräfte… In einer ersten Stellungnahme… Die Schäden gehen in Millionenhöhe. Zum Wetter.

Doch natürlich ist es so einfach nicht. Wie immer eigentlich. Wenn man gepflegt dagegen sein und eine standhafte Haltung einnehmen will, rührt sich ein gewisses Interesse und aus dem strammen Anti wird zunächst mal der weichere Andy und evtl. bekommt der noch sanftere, dem Teige eines frischen Brotes ähnelnd weiche Züge und dann haben wir durchmatschte Croutons oder Back-Shop-Schrippen – Brotsalat.

Hier nun ist es so, dass der Brotstempel auf eine jahrtausende alte Geschichte zurück blicken kann. Schon Plutarch berichtete von der Verwendung von Brotstempeln, die Nilpferde zeigen, für Opferkuchen des ägyptischen Isis- und Osiris-Kultes. Auch aus dem frühen Christentum sind Brotstempel bekannt. Diese zeigten oft das Symbol des Fisches, wohl kann man also hier ebenfalls erste Belege für das Fischbrötchen finden. Der Blatter der Brostempelhistorie jedoch war zweifellos Franz Josef Dölger, obschon sein Wirken um den Brotstempel, nun ja, eher runtergefallene Krumen waren. Dennoch gilt den Kennern der erste Band mit den Kapiteln „Heidnische und christl. Brotstempel mit religiösen Zeichen“ sowie „Der Stempel mit Pentagramm“ seines Monumentalwerkes „Antike und Christentum. Kultur- und religionsgeschichtliche Studien“ als nicht nur Standardwerk sondern fernerhin nicht weniger als die Bibel der Brotstempelgeschichte. Dölgers Jünger folgten auf dem Fuße. Friedrich Sprater sei beispielsweise erwähnt und dessen Fund des Eisenberger Brostempels. Oder auch der Wettiner Prinz Johann Georg, Herzog zu Sachsen und dessen Sammlung, die in Mainz hoffentlich alsbald wieder zugänglich sein wird und die, neben anderem Tand, auch spätantike, byzantinische und frühislamische Brotstempel zeigt.

Wann nun jedoch der Irrweg beschritten wurde, das Brot nicht mehr zu stempeln sondern zu „labeln“ kann nicht mit Gewissheit gesagt werden, aber ich werde hier wohl nicht alle angehenden Brotstempler und Brotstempelogen in die Irre führen, wenn ich das ausgehende 20. Jahrhundert angebe. Solange es Bioläden mit angeschlossenen Industrie-Bio-Backwerk-Vertrieben gibt, werden wir dem Treiben allerdings wohl oder übel noch zusehen müssen. Doch auch hier ist der technische Fortschritt nicht aufzuhalten und wir werden gewiss eines Tages einen Dongle am Brot finden oder andere digitale Signaturen. Bis es jedoch soweit ist, werden noch einige Schlachten geschlagen Demonstrationen gegen das papierne Ungemach auf des Brotes Kruste angemeldet werden müssen. Hier sehe ich, sobald Wasserwerfer eingesetzt werden, den papiernen eindeutig im Nachteil gegenüber den hölzernden, denen aus Ton, Stein oder Metall.

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Rübe ab

Mal so nebenbei: Eltern haben ihren Kindern schon vor Halloween (und auch vor Helloween) eingebläut, keine Süßigkeiten von Fremden zu nehmen. An Halloween, einem der höchsten Feiertage der Faschings- sowie der Süßkramindustrie schicken sie die Kinder nun los, Süßigkeiten genau von Fremden zu erschlauchen.

Und wo sind die Straßen nun voll von nach Süßkram lüsternden, in furchtbar billige und somit sicher äußerst zweifelhaft produzierte Kostüme gehüllte Nachkommenschaft? Im Prenzlauer Berg! Unter anderem sicherlich. Und was sagen die Kinder da? „Stevia-Dinkel-Dröpsle bitte sehr oder es gibt Biozitronensaft“? Ich bitte hiermit noch einmal inständig darum, dass jemand diesem Blödsinn per gezieltem Hiebe mit einer rostigen Axt die Rübe abhaut. Und wenn da schon einer am Fuchteln ist: Nimm bitte noch den Fleurop-Jubeltag „Valentinstag“ mit!

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Zwischenfrage

Es wurde und wird viel geschrieben über die „Hipster„. Natürlich ist Hipstersein längst nicht mehr annähernd hip und wer sich Hipster-esque durch den Prenzlauer Berg bewegt, gibt sich eher der Lächerlichkeit preis, ist doch im durchgentrifizierten Bio-Kinder-Mekka nicht annähernd irgendetwas Hippes zu finden oder gar zu installieren – nichtmal Hipp ist gern gesehener Gast in den Kindermägen. Wer kam überhaupt auf die Idee, den Hipster im Prenzlauer Berg zu verorten?

Doch berechtigterweise stellt sich jemand – natürlich Auswärtiger – die Frage, was wohl mit den Jute-Plantagen – die ja recht eigentlich Baumwoll-Plantagen sind, ist die Masse der Hipster doch nicht mit der Milchstraßen-weiten Jute-Produktion zu bebeuteln – weltweit geschehen mag, implodiert plötzlich die Hipster-Blase. Und ja, was passiert dann? Der Kern der Frage ist, wie soll es anders sein, modischer Natur und ich stelle folgende Theorie in den Raum:

Solange größere Fashion-Ketten weltweit der Herrenmode wieder Regular Fit- oder gar Loose Fit-Hosen schenken, sollte der Schwund durch das Verschwinden der Jute-Beutel ausgeglichen sein.

Nur für das Absterben zahlreicher Druckereien, die sich sich allein auf das Bedrucken des Hipster-Beutels mit voll krass coolen Sprüchen spezialisiert haben, ist keine Lösung in Sicht.

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Armistice – Armistice

Die hier schon lobhudelnde Erwähnung gefunden habende Béatrice Martin und der für vermutlich größerenteils weibliche Augen nicht minder hübsche Jay Malinowski, Sänger der kanadischen (vornehmlich) Reggaeband Bedouin Soundclash hatten bereits auf dem letzten Album ‚Light The Horizon‘ der letztgenannten Musikanten ein Ohr aufeinander geworfen, bzw. ‚brutale Herzen‘. Nicht nur die Hörer des Stückes, nein, auch die Protagonisten befanden ihr Werk für fortführbar und taten entsprechend ebenso. Behilflich waren die recht eigentlich punkrockenden The Bronx, jedoch in ihrer Inkarnation als El Bronx, deren beide letzte Alben durch Abwesenheit punküblichen Instrumentariums und der stattdessen Fülle an mexikanischem glänzten. Heraus kam bereits Anfang 2011 eine fünf Stücke umfassende, wunderbare EP. Das europäische Ohr mag noch ein wenig mit Mariachi-Sound fremdeln, doch das Säuselnde der lieblichen Cœur de Pirate und das sehnsüchtelnd-Heisere des Jay Malinowksi tänzeln einen popmusikalischen Reigen, der im fernen fata morganierenden Wüstensand eine zum Verweilen einladenende Oase glauben macht.

Armistice – Mission Bells

[Armistice || Mission Bells [official music video] from Dare To Care Records on Vimeo.]

Für eine Handvoll Dollar bei Bandcamp.

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Novemberremixe

Es wird wieder geBLöGGt. Weil ich dafür aber nach wie vor wenig Zeit habe, mach ich einfach einen Remix aus älteren und nur einigen wenigen Personen bekannten Texten. Naja, eher eine extended Version. Jedenfalls geht’s mitten im Dezember natürlich um den November. Weil der Dezember nämlich unerhört novemberte, wiewohl der November seinerseits oktoberte. Da braucht es einen Anker. Etwas, woran man sich festhalten, ja, anlehnen kann. Einen BLöGG. Erstaunlich übr., dass die hier verbratenen Texte bis zu sieben Jahren alt sind und von ihrer Inhaltslosigkeit nichts verloren haben. Und in einem gänzlich anderen Medium ebenso funktionieren, wie in der analogen, gedruckten Version von dem, für das sie einst geschrieben wurden. Seht selbst:

Hier wurde schon so vieles nieder geschrieben, was zu bizarrsten Schilderungen der nichtigsten und alltäglichsten Eindrücke erwuchs oder auch so manches Mal eine haarsträubende Interpretation aktueller Geschehnisse war, kurz Unsinn, so blank wie poliert, wie die billigste Ikea-Pfanne – so auch diesmal.

Dem November eines jeden Jahres scheint es zu belieben, den Bäumen in seinem herbstlichen Königreich die Kleider vom Leibe zu reißen, auf dass diese dann in Schamesröte versinken mögen, wären sie doch nur nicht von der Natur mit der Photosynthese verwunschen.

Dabei kann es den Bäumen eigentlich recht schnurz sein. Die Menschen hasten mit jedem Tag ein wenig eiliger an der Natur vorüber und je eher die Sonne ihr Tagwerk verrichtet hat, desto tiefer senkt sich der Blick. Schließlich läuft man mit steigenden Tempo nun mal auch schneller Gefahr, den Tücken novemberdurchmatschten Laubes zu erliegen. Einerseits.

Hält der Mensch zweiterdings inne und macht ‚Milchkaffee draußen‘ ändert das nur nichts an seiner Entfremdung von der Natur. Die Outdoorjacke könnte endlich und kurzzeitig ihren Zweck erfüllen. Doch: Das Herzstück der urbanen, gastronomisch kleinviecherischen Mistmache, der Heizpilz wird zum Erglimmen gebracht – das eben noch zart knospende, im Begriff ein Lodern anzustreben, funken schlagende Seelchen des Naturburschen vice versa und stante pedes zum Erkalten. Was in Dauercampingkreisen gut und recht, der restlichen Welt allerdings grob zuwider ist, dient der gastronomischen Fangopackung der Zielgruppe, dem Rotbewangen pompös beschalter Mädchen zwischen 18 und 39, nicht dem Imitieren von Abenteuer. Lediglich das ‚Pilz‘ in ‚Heizpilz‘ paust in den kleinstadtmiefigen Großstadtschluchten diese Imitation blau. (Würde doch wenigstens grün gepaust …)

Es stehen also unnötigerweise, weil unbeachtet, von Scham gepeinigte Bäume knöcheltief in ihren Lumpen, während sich der Mensch unter Umständen und sehr vielleicht noch kurz an einem Spaziergang durch die Kleidersammlung der Natur begeistern, jedoch wahrscheinlich eher für den heimischen Ofen erwärmen kann.

Der Herd der Familie wird gelegentlich, oft auch nur kurzzeitig mal unter anderen Dächern aufgestellt. Es züngelt dann ein kleines Feuerchen durch die offenen Herzen, der vom Prä-Weihnachtsrausch Bekifften, wie wohl all dies an der temporären Entfremdung von Mensch und Natur wieder nur nichts ändert. Bis, ja bis sich Baum und Strauch wieder angezogen haben und ein zarter Frühlingshauch die Blätter der Rosen lüftet, die nun ihrerseits rote Wängchen zieren.

Darauf nehmen sich Mai, Juni, Juli und August an die Hände, um dem lustvollen Treiben des rosarotbebrillten und wenn man es sich recht überlegt, ja doch permanent irgendwie highen (vor-) läufigen Endergebnisses der menschlichen Evolution zu zusehen. Merkwürdig nur, dass Humanus Erektus, sprich Homo Homo Sapiens, die äußerste Scheu vor seines Gleichen zu hegen pflegt. Dies darf durchaus zwieverstanden werden.

Launen der Natur sollte man all dies nicht nennenjenes. Diesem Aufsatz angemessen eher Bäumchenwechseldich-Spielchen. Denn obgleich derlei in jedem Jahr ein neuer Zauber innewohnt, stellt ebendieser auch den Reiz dar, es weiterhin zu spielen und hernach an seine Kinder weiter zu geben. So werden sich also noch Generationen aller, wenigstens auf diesem Kontinent lebenden Arten dezent inkontinent darüber einlullen.

Wie immer schließt sich ein Wust aus bizarrsten Schilderungen der nichtigsten Alltäglichkeiten. Nur eben anders. Und zwar wie folgt:

Herbstlichst,

BLöGGness


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S & Hm?

Der Seriösität Auge in Auge stellte ich mich jüngst, da ich mit Jahresbeginn zum Inhaber einer Monatskarte des Verkehrsverbundes Berlin-Brandenburg wurde. Nehmen wir die Debatten um die Preise einmal beiseite, so kann man dennoch sagen, dass es sich so befahrschienen ganz in Ordnung so ring und rum und kreuz und quer fährt. ÖPNV und ich, wir beide verrichten unsere gemeinsame Zeit eher wortkarg und Verkehrsmittel störe ich nicht mit unqualifizierten Kommentaren, ihrerseits lassen mich S-, U-, Straßenbahn und Bus weitgehend in Ruhe.

Nun, die Weichen in die Zukunft sind gestellt. Die S-Bahn, mangels Zugeinheiten wiewohl aufgrund DB-Tochtergesellschaftigkeit fährt nur woanders lang. Und so kippten keine Dancesternchen die fahrende Currywurst in Hip-Dip, sondern es trug sich zu, dass ein nicht eben schlecht gelaunter S-Bahn-Chauffeur im donnerstäglichen Spätmorgenberufsverkehr seine Munterkeit in Ansage ummünzte. Nach Fahrausweisbeisichodernichttragenkontrolle keine nur schlechtfindbare Idee, weniger jedenfalls als besagtes Hupfgedohle. Man muss eine durch Benutzung der, wenig gewundenen allerdings, Sprachspirale von Bedeutungsschwangerschaft verschonte, launige Ansage und mit ihr den Ansagenden jedenfalls nicht der Abtreibungsklinik fahrgastindividuellen Hasses zuführen. Frau Laune ist wenigstens zu den Berufsverkehren nicht gern Fahrgast wenn sie mit Vornamen Gute heißt.

Also durchtrötete der S-Bahn-Führer gebremst überschwänglich in den dem also Unterschwang angemessen unterschleunigten Zug, dass das Wetter diesem Tag Regenschirmfreiheitgarantien ausstellen könne, man eventuell noch auf der Suche nach so etwas wie Laune befindliche Vorgesetzte milde lächeln möge und dergleichen Trötunwürdigem, Kalendersprüchen wohnt wenigstens der Spruchcharakter inne. Entertainer gehören nicht in Fahrerpulte und umgekehrt. Allein, Berliner Busfahrer sind für manch Witzchen an Kodderschnauzensorbet gut, dafür nicht ausnahmslos beliebt allerdings ebenfalls. Wir hatten es mit dem Basser der S-Bahn-Fahrer-Rockband zu tun und sahen uns fragend an, ‚Rampensäue klingen anders‘ lieferten wir die Antwort gleich mit.

Zum Fahrtziel Zukunft und dem Vorherabbiegen des Berliner ÖPNV: Die englischsprachigen Ansagen für internationale Gäste der Stadt beschränken sich auf Verkehrsmittel in Richtung der – noch sind es zwei – Flughäfen. Das kann man, wenn man kann, so verstehen, dass besagte ausländischsprachige Berlinbesucher bitte wieder den Weg zum Flughafen einschlagen mögen. Willkommen wurden sie in den Nahverkehrszügen nicht geheißen und da sie grad erst ankamen, wäre durchaus ein kleiner Wegweiser angebracht gewesen. In einer Stadt in der tradtionell oft und gern angekommen wird, sollte Willkommenheißen Strom und Motor aller Verkehrsmittel in die Innenstadt sein. Zumal wenn der Flughafen, bedenkt man das mal, in Brandenburg liegt. In der Muttergesellschaft Zügen sind die Englisch am nächsten kommenden Durchgesächsel zwar wesentlich kürzer als die dem Deutschen näher kommenden, doch etwa gleichermaßen regelmäßig und auf Hin- und Rückreise nicht abstellbar, begrüßt zugestiegene Fahrgäste einigermaßen konsequent. Doch dass Töchter von ihren Müttern lernen ist zwar zumeist der Fall, nicht aber ehernes Gesetz.

Diese wenigen Versuche zu lernen endeten regelmäßig up in tears. Ess- und Trinkwarenwagen wurden von Servicekräften umhergeschoben, denen man zunächst mal das ‚Kraft‘ in Servicekraft nicht so recht abnehmen wollte, die weiterhin in Fahrgästen Zweifel auslösten, ob die schiebend Leidenden eher wegen vermeindlicher Wärme in S-Bahn-Waggons streunten, da die Sonnenseite für sie ausgebucht schien. Schließlich noch bockwurstmitsenften sie das ohnehin schwer nur anbietbare Zeug auf ihren Wägen an, das schon die Legenden der Marktschreierzunft schwer gehabt hätten feilzubieten und was doch also kredenzt hätte werden müssen wie gülden strahlender Funktionsplastiktrash zu überhöhten Preisen. Man kann lange noch nach diesem „Servicewagen wagen“-Scheitern Ähnlichkeiten zwischen den genannten und sowohl Kontrolleur- als auch Obdachlosenzeitungsverkäufergenuschel schwer von der Hand weisen.

Ratsam ist sicher nicht, Sekundärangebote feilhalten zu wollen, wenn das Primärangebot noch anbietbar gemacht werden muss. ‚Schuster bleib bei Deinen Gleisen‘ volksmundet es da. Viel dem entgegenzubürgermunden gibt es da nicht.

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